Zinsen – hier spielen Prozente die erste Geige

Wiki zu Zinsen - Ratgeber rund um die Zinsen, wie viel Prozent sind wo möglichDie Finanzkrise liegt nun schon 1 Jahrzehnt zurück. Die Auswirkungen des Beinahekollps der Finanzmärkte sind immer noch zu spüren. Über kaum ein Thema ist in den Wirtschaftsmedien in den letzten 10 Jahren so viel geschrieben worden wie über Zinsen und deren Prozent. In unserem Wiki möchten wir Ihnen wirtschaftliche Zusammenhänge zur Zinsbildung genauso wie Verbrauchertipps aufzeige. Konkret können Sie auch individuelle Prozent Berechnungen mit unserem Zinsrechner hier durchführen.

Zinsen sind das Entgelt, also die finanzielle Gegenleistung für die Überlassung von Kapital. Sie sind damit quasi der Preis fürs Geld.

 

In Folge mehrerer Leitzinssenkungen durch die EZB, haben auch die Banken in den letzten Jahren die Zinsen auf Einlagen von Girokonten, Tagesgeld- und Festgeldkonten deutlich nach unten korrigiert. Parallel konnten sich Kreditnehmer freuen, auch die Kreditzinsen wurden auf historische Tiefststände gesenkt.
Im Frühsommer 2009 war beispielsweise auf Girokonten eine Guthabenverzinsung von 1,5% bis 2% bei voller Einlagensicherung bei den meisten Banken zu erhalten. Für Neukunden galten sogar oft noch etwas höhere Zinssätze. In 2018 gibt es bei über 95% aller Banken keine Einlagenverzinsung auf Girokonten mehr.

Einflussfaktoren: Notenbanken mit Leitzinsen

Ein wesentlicher Einflussfaktor für Geldmarktzinsen ist die Höhe der Leitzinsen. In der Vergangenheit bewegten sich Leitzinssatz und Tagesgeld Zins gleichförmig (s. a. unseren online Tagesgeldrechner). Höhere Leitzinsen führten zu höheren Zinsen auf Tagesgeld und umgekehrt.

Im ersten Quartal 2012 wurde diese Korrelation erstmals durchbrochen: Obwohl die Europäische Zentralbank die Leitzinsen in 2011 in zwei Stufen auf 0,75 % gesenkt hat, blieben die Zinsen zunächst weitgehend konstant.

Inzwischen gelten wieder die normalen Marktmechanismen: seit März 2012 fallen bei Tagesgeld und Festgeld die Zinsen (s. a. unserer Festgeldrechner). In 2018 sind die Zinssätze auf einem Tiefstwert angekommen. Die Redaktion erwartet in den nächsten Monaten, je nach den Entwicklungen und Vorgaben der Kapitalmärkte und durch die EZB-Zinspolitik tendenziell eher eine Seitwärtsbewegung und erst ab 2019 wieder leicht steigende Zinsen. Die EZB erklärt gebetsmühlenartig, die Leitzinsen noch länger auf dem jetzigen Stand zu belassen.

Bieten Zinsen noch eine Perspektive für Sparer?

Im Zuge der Finanzkrise haben sich die Zinsen für Sparer deutlich verringert. Die wesentliche Ursache dafür ist weniger das Spiel der freien Finanzmärkte als vielmehr der Eingriff durch die Europäische Notenbank. Die EZB hat schon unter Jean-Claude Trichet, dem Vorgänger des jetzigen Notenbankpräsidenten die Leitzinsen kontinuierlich gesenkt, um die taumelnden Finanzmärkte zu stützen. Inzwischen ist es kein Geheimnis mehr, dass die Zinsen von der EZB künstlich niedrig gehalten werden und eigentlich für das wirtschaftlich dynamische Deutschland mindestens zwischen 1,5% bis 2% liegen müssten.

2% gibt es aktuell aber bei keiner seriösen Bank für Tagesgeld, weder von einem inländischen, noch von einem ausländischen Institut mit deutscher Niederlassung. Vielmehr gibt es Anfang 2018 durchschnittlich nicht einmal mehr 0,5% für Einlagen auf dem Tagesgeldkonto.

Übersicht

Bauzinsen – Bauherren und Immobilienkäufer im Zins-Vorteil

Kreditzinsen – der Preis für finanzierten Konsum

Festgeldzinsen – klassische, sichere Geldanlage

Tagesgeldzinsen – mit positiver Prognose

 

Niedrigzinsen und Inflationsrate steigt auch noch

Sparer schauen auf den Nominalzins, also darauf was die Banken für Tagesgeld oder Festgeld bieten. Ein hoher Zinssatz ist aus Verbrauchersicht immer gut. Analysten und Ökonomen schauen eher auf die Realzinsen. „Das ist quasi was an realer Verzinsung vor Steuern einem Anleger von den Zinserträgen übrigbleibt und die wirklich wichtige Bezugsgröße. Und da sieht es aktuell eher schlecht aus, denn die Realzinsen werden wegen der relativ zu der Verzinsung hohen Inflationsrate in 2018 und 2019 absehbar negativ sein.

Die Inflationsrate beträgt nämlich für 2017 in Deutschland 1,8%. Die besten Tagesgeldangebote liegen immer noch bei rund 0,5% Allerdings können Privatanleger nur dann von solchen guten Zinskonditionen profitieren, wenn sie bereit sind ihr Geld einer der vielen Onlinebanken anzuvertrauen. Das empfiehlt aber sogar die Stiftung Warentest.

An der Börse werden Perspektiven gehandelt, wie sieht das bei den Zinsen aus

Die EZB hat die Leitzinsen seit 2008 in mehreren Schritten von 4,25 % auf 0 % in 2014 gesenkt. Die Banken haben parallel, aber immer etwas zeitversetzt, mitgezogen. Mitte 2008 konnten Anleger bis 5 % Tagesgeld Zinsen kassieren, jetzt eben nur noch 0,5%. Doch damit sollte diese Talfahrt nun auch beendet sein. Die EZB hat in ihrer Presserklärung zur Preisstabilität im Juli 2014 als Vorward Guidance, eine quasi kommunikative Vorausgarantie an die Finanzmärkte, angegeben: „Entsprechend haben wir die Leitzinssätze gesenkt und unsere „Forward Guidance“ mit der Ankündigung bekräftigt, dass die Leitzinsen im Euroraum für längere Zeit auf dem jetzigen Niveau bleiben würden – in dem Bewusstsein, dass sie gleichzeitig in anderen Regionen der Welt steigen dürften.“

Zinstief wohl erreicht

Damit ist klar – wenn an den Finanzmärkten nichts Schlimmes passiert, ist das Zinstief nach 10 Jahren der Abwärtsbewegung erreicht und bei der EZB steht als nächstes wahrscheinlich eher ein Leitzinsanhebung als eine weitere Zinssenkung an, allerdings wohl erst 2019 oder gar in 2020. Denn dem Markt ist eine Anhebung der Leitzinsen in den USA, dem weltweit wichtigsten und größten Finanzmarkt, sowie in England bereits angekündigt – vielleicht aber in den Kursen noch nicht vollständig eingepreist.

Für Sparer gibt es deshalb die berechtigte Hoffnung auf höhere Zinsen in 2018, denn Europa lebt nicht auf einer Insel. Darauf weist Dr. Jörg Krämer von der Commerzbank im hin: „Aller Erfahrung nach werden sich die europäischen Kapitalmarktzinsen aber nicht vollkommen von den US-Renditen abkoppeln können“.

Dann könnte es durchaus sein, dass die Zinsstrukturkurve wieder steiler wird, also die Unterschiede zwischen kurzfristigen und langfristigen Zinsen größer werden. Was nichts anderes bedeutet, als das für langfristiges Festgeld ab einer Laufzeit von ca. 5 Jahren es wieder deutlich mehr Zinsen gäbe als für Tagesgeld.

Natürlich gibt es auch kritische Stimmen. So hat kürzlich Prof. Thomas Straubhaar vom Weltwirtschaftsinstitut aufgrund der Negativzinsen gar vom „Ende des Kapitalismus“ in einem Interview der „Welt“ ausgerufen. Die Negativzinsen von -0,10% gelten allerdings nur für die Gelder, die Banken bei der EZB über Nacht dort parken. Und die ersten Ergebnisse zeigen, dass etliche Banken dort nach wie vor ihr Geld nächtlich deponieren, auch unter Zahlung von Strafzinsen. Der private Anleger ist davon nicht betroffen. Er kann sich, Flexibilität in der Geldanlage vorausgesetzt, stets über Vergleichsportale die Banken mit den besten Zinskonditionen aussuchen. Tagesgeld Hopping dient dann gewissermaßen zur Renditeoptimierung.

Und die Inflationsrate?

Die spannende Frage ist natürlich, wie sich Zinsen und Inflationsrate gemeinsam entwickeln werden. Prognosen sind hier relativ unergiebig, wie die letzten Jahre gezeigt haben. Die Inflationsprojektionen vieler Ökonomen, die für Deutschland hohe Inflationsraten sahen, sind bisher nicht eingetroffen. Die Inflationsrate im Euroland wird auch 2018 deutlich unter der von der EZB zur Wahrung der Preisstabilität angepeilten “knapp unterhalb von 2%“ betragen. Und die Inflationsprojektionen der EZB sehen den Verbraucherpreisindex auch für 2019 nicht darüber. Diese Annahme wird indirekt durch die momentane wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum und auch in Deutschlandgestützt. So prognostiziert das renommierte IFO-Forschungsinstitut momentan für Europa ein moderates Wachstum für Deutschland.

Fazit der Zins-Betrachtungen: Die Leitzinsen und damit auch die Tagesgeld- und Festgeld-Zinsen, sollten in 2018 ihren Boden gefunden haben. Bedingt durch voraussichtliche Leitzinserhöhungen in den USA und England könnten, auch bei weiterhin stagnierenden Leitzinsen in der EU, die Sparzinsen auch in Deutschland leicht steigen. Allerdings dürften zumindest in Deutschland auch die Verbraucherpreise moderat steigen. Für die Realzinsen könnte daraus ein Nullsummenspiel werden.

Euribor

Der Begriff EURIBOR steht für Euro InterBank Offered Rate. Gemeint ist damit der Referenzzinssatz der für den Handel von unbesicherten Krediten zwischen Kreditinstituten festgesetzt wird. Der Zinssatz wird für verschiedene Laufzeiten aus den Daten von diesen Referenz-Banken berechnet:

Belgien Belfius
Frankreich BNP Paribas
Frankreich Crédit Agricole
Frankreich HSBC Frankreich
Frankreich Natixis
Frankreich Société Générale
Deutschland DZ Bank
Griechenland National Bank of Greece
Italien Banca Monte dei
Italien Paschi di Siena
Italien Intesa Sanpaolo
Italien UniCredit
Luxemburg Banque et Caisse d’Epargne de l’Etat
Niederlande ING
Portugal Caixa Geral de Depositos
Spanien BBVA
Spanien Banco Santander
Spanien CaixaBank
Spanien Cecabank
Grossbritannien Barclays
Grossbritannien Deutsche Bank London Branch

 

Literatur

Deutsche Bundesbank: Zinssätze und Renditen

Bundesministerium der Finanzen: Ausgaben und Einnahmen des Bundeshaushalts im Jahr 2017 „Stützende Faktoren in einem Umfeld niedriger Zinsen und Wechselkurse sowie moderater, wenn auch steigender Ölpreise, sind der kontinuierliche Beschäftigungsaufbau und Einkommenssteigerungen, die den privaten Konsum und private Wohnungsbauinvestitionen begünstigen, sowie wachsende öffentliche Ausgaben für Konsum und Investitionen“

Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht: Zinsänderungsrisiken „Wesentliche Änderungen betreffen die Berücksichtigung negativer Zinsen sowie unmittelbarer Pensionsverpflichtungen, die Abschaffung des Ausweichverfahrens für Banken ohne barwertige Zinsrisikomessung und die Möglichkeit, Margen in der Berechnung nicht zu berücksichtigen. “

 

Weitere Informationen

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